Spulensätze für Geradeausempfänger


2.2. Spulensatz für Einkreisempfänger mit getrenntem Wellenschalter
(kapazitive Abstimmung)


Folgendes Bild zeigt einen Spulensatz, rechts die bewegliche Antennenspule, links die Gitterkreisspulen, oben die für den Mittelwellenbereich und unten die für den Langwellenbereich mit der Rückkopplungsspule. Die Rückkopplungsspule ist als Fortsetzung der Gitterkreisspule "Lang" gewickelt und wirkt auf die beiden Kreisspulen "Mittel und Lang”.


Spulensatz für Einkreis-Empfänger


                 Älterer Spulensatz für Einkreis-Empfänger
                 Links: Gitterkreisspulen für Mittel- und Langwelle
                 mit gemeinsamer Rückkopplungsspule,

                 rechts: bewegliche Antennenspule
 

a) Aufbau


Der einfachste Spulensatz für einen Einkreis- Empfänger hat meistens 3, mitunter aber auch nur 2 Spulen für einen Wellenbereich:


1. Gitterkreisspule, auch Kreisspule genannt, die den Wellenbereich bestimmt,
2. Rückkopplungsspule zur Steigerung der Empfindlichkeit des Empfängers,
3. Antennenspule zur Ankopplung der Antenne.

 

Schaltung eines Spulensatzes für Geradeausempfänger


                 Spulenschaltbild

Die Antennenspule ist nicht unbedingt notwendig, sie wird aber meist angewendet, besonders im Kurzwellenbereich. Die genannten Spulen bilden eine Spulengruppefür einen Wellenbereich, so daß für zwei Wellenbereiche -"Mittel und Lang" -insgesamt 6 Spulen vorhanden sind.

Eine Ausnahme bildet vorliegender Spulensatz, der nur eine Rückkopplungs- und eine bewegliche Antennenspule mit Anzapfungen sowie zwei Gitterspulen für zwei Wellenbereiche aufweist.
Die Antennen- und die Rückkopplungsspule sind mit Kupfervolldraht und die beiden Gitterkreisspulen mit HF-Litze gewickelt.
Für die Wellenbereichumschaltung wird ein getrennt angeordneter, einpoliger Schalter benutzt. Er ist bei "Langwelle" offen und schaltet bei Mittelwellenempfang die Mittelwellen-Gitterkreisspule parallel zur Langwellen-Gitterkreisspule. Die Antennenspule wird durch Umstecken der Antenne umgeschaltet.
Mit der beweglichen Antennenspule werden Lautstärke und Trennschärfe des Einkreis- Empfängers geregelt.
Der Kondensator in der einen Zuleitung zur Antennenspule dient zur Antennenanpassung; mit ihm kann bei zu langer Antenne die Trennschärfe verbessert werden.


b) Anwendung


Dieser Spulensatz ist nur in älteren Einkreisempfängern, speziell in früheren Empfängern, anzutreffen.


c) Fehler .


Mögliche Fehler sind :

Bruch einer Litzenzuführung zur beweglichen Antennenspule, Drahtbruch einer Spule, durch Fremdspannung zerstörte Antennenspule und verschmutzter oder defekter Wellenschalterkontakt. Letzteres ist meist der Fall, wenn das Gerät im Mittelwellenbereich nicht mehr arbeitet.


d) Prüfung


Die Spulen sind mit einem Leitungsprüfer, Summer oder einer Durchgangsprüfeinrichtung auf Durchgang zu kontrollieren. Der Leitungsprüfer gibt die Möglichkeit, den ohmschen Widerstand zu messen und damit im groben Maße auch Windungsschluß festzustellen (siehe Einleitung).
Der Wellenschalterkontakt ist auf seine einwandfreie Arbeitsweise zu untersuchen. Die Durchgangsprüfung mit der Glimmlampe und Gleichspannung ist hier nicht ratsam, da diese kein einwandfreies Ergebnis ergibt. Am besten eignet sich hierzu ein Glühlämpchen mit hohem Stromverbrauch (4 V/0,6 A,).


e) Fehlerbehebung


Defekte Litzen oder Spulen sind zu erneuern. Der Wellenschalterkontakt ist mit Wellenschalteröl "d"  (Anmerkung: Kontaktspray oder in Spiritus aufgelöstes “Pulmotin” , erhältlich in jeder Apotheke) zu reinigen und eventuell zu justieren. Beachtung schenke man auch den Drahtenden an den Lötösen.


2.3. Spulensatz für Einkreisempfänger mit Wellenschalter


Folgendes Bild zeigt zwei neuere Einkreiser-Spulensätze. Die Spulen sind auf einer Isolierstoffgrundplatte montiert und bilden mit dem Wellenschalter eine Einheit. Die Kombination von Spulen und Wellepschalter für mehrere Wellenbereiche ist vorteil haft, weil die Spulenenden direkt an den Wellenschalter geführt werden können. Der Aufbau ist dadurch verlustarm, und es sind nur wenige Lötösenanschlüsse für die Verdrahtung im Empfänger erforderlich. Einlochmontage und Verdrehungsschutz gewährleisten einen einfachen Einbau des gesamten Spulensatzes mit Wellenschalter.


Zwei Spulensätze für Geradeausempfänge mit Wellenschalter


                 Spulensätze mit Wellenschalter
                 für Einkreisempfänger
                 (Neumann Sp 122 und Görler ES 1)
 

a) Aufbau


Der Spulensatz Sp 122 hat 4 Spulengruppen in Reihenschaltung für 4 Wellenbereiche. Jede Gruppe besteht aus je einer Antennen-, Gitterkreis- und Rückkopplungsspule und hat einen schraubbaren HF-Eisenkern zur Anpassung an die Skala. Die Gitterkreisspulen sind mit HF-Litze und die übrigen Spulen, auch die Kurzwellenspulen, mit Volldraht gewickelt. Für die Umschaltung der Wellenbereiche ist ein kapazitätsarmer, in der Praxis bewährter Kreiswellenschalter mit Edelmetallkontakten vorgesehen.Die Antenne wird für K 1 und
K 2 mit normalen Antennenspulen und für M und L mit Antennenspulen mit besonders hoher Windungszahl (hochinduktiv) angekoppelt. Für sehr lange Antennen ist ein Antennenverkürzungskondensator von
100 ..300 pF vorteilhaft, er macht eine zweite Antennenbuchse erforderlich. In die Antennenzuleitung ist ein Differentialdrehkondensator 2 x 200 pF zu schalten, um Lautstärke und Trennschärfe regeln zu können.
Die Rückkopplung erfolgt induktiv-kapazitiv. Mit einem Differentialdrehkondensator 2 x 200 pF kann man eine gute Rückkopplungswirkung erzielen und die Empfindlichkeit und Leistung des Empfängers auf ihr Maximum steigern.
Zu beachten ist der Anschluß des Abstimmdrehkondensators, der über eine besondere Lötöse (5) erfolgt, weil für den Kurzwellenempfang ein Verkürzungskondensator vorgesehen ist. Zur An- und Abschaltung eines Tonabnehmers dient ein besonderer Schaltkontakt.

Wellenbereiche:

Kurzwelle K I ~      19,5 ...11,5 MHz = 15,5 ...26 rn,
Kurzwelle K 2 ~      12... 6 MHz = 25 50 rn,
Mittelwelle ~          1620 ...510 kHz = 185 ...590 rn,
Langwelle ~          400 ...150 kHz = 750 ..2000 rn.

 

Schaltbild des Spulensatzes Sp 122 von Neumann für Geradeausempfänger

               Spulenschaltbild des Sp 122 (Neumann)

 

Sp 122 Wellenschalterdiagramm


Mit dem Wellenschalter können die einzelnen Wellenbereiche und in der fünften Schalterstellung der Tonabnehmer geschaltet werden.


b) Anwendung


Dieser Spulensatz wird in Einkreisempfängern verwendet. Seine kleinen Abmessungen beanspruchen wenig Raum. Er kann auch für ältere oder defekte Spulensätze als Ersatzspulensatz mit gutem Erfolg Verwendung finden.


c) Fehler


Es kommen folgende Fehler vor :


verschmutzte oder ermüdete Wellenschalterkontakte,


durch Fremdspannungseinwirkung zerstörte Antennenspule


Drahtunterbrechung und Windungsschluß einer Spule.


d) Prüfung


Die Spulen sind mit einem Leitungsprüfer auf Durchgang und die Wellenschalter-
kontakte auf ihre Kontaktgabe zu untersuchen. Die Reihenschaltung der Spulen ist zu beachten.
 


e) Fehlerbehebung


Defekte Spulen sind neu zu wickeln oder auszuwechseln. Die Wellenschalterkontakte sind mit
Wellenschalteröl "d" zu reinigen und danach zu justieren.


2.4. Spulensatz für Zweikreisempfänger

Kompletter Spulensatz für Zweikreisempfänger


Ein Spulensatz für Zweikreiser (Bild oben ) besteht meist aus zwei getrennten Spulenanordnungen für den Vor- und Audionkreis, die gegeneinander abgeschirmt sein müssen. Es gibt aber auch Spulensätze für Zweikreiser, deren Spulen tür beide Kreise auf einer Grundplatte montiert sind. Bei diesen handelt es sich um eine Spezialausführung für den sogenannten Bandfilter- Zweikreiser, der aber in Industrieempfängern in dieser Art nicht vorkommt.

Im folgenden soll der Spulensatz für einen Zweikreisempfänger beschrieben werden, wie er in der Mehrzahl verwendet wurde. Zweikreisempfänger werden heute industriell nicht mehr gefertigt.


a) Aufbau


Das obige Bild zeigt den Spulensatz mit Zweifach-Drehkondensator für einen Zweikreiser
nach Schaltung (folgendes Bild ). Links die Spulengruppe tür den Vorkreis- und rechts die für den Audionkreis, dahinter ihre Abschirmbecher .
Die Spulenträger bestehen aus Trolitulrohr mit 2 schraubbaren HF-Eisenkernen. Sie tragen oben die Spulengruppen für den Mittel- und unten die für den Langwellenbereich. Der Vorkreis (l.Kreis) für die HF-Verstärkerstufe besteht aus den Antennen- und Vorkreisspulen, der Audionkreis (2.Kreis) aus den Kopplungs-, Audionkreis- und Rückkopplungsspulen für beide Wellenbereiche. Die Spulen der beiden Wellenbereiche mit gleichen Funktionen sind bei Langwellen-Empfang in Reihe geschaltet.
Die Vorkreis- und Audionkreisspulen sind mit HF-Litze und die übrigen Spulen mit Kupferlackdraht mit Seidenisolation gewickelt.
Beim Empfang der Mittelwelle werden die Langwellenspulen mit einem getrennt angeordneten Wellen-
schalter überbrückt. Der Wellenschalter muß 5 Schalterkontakte besitzen (s. Wellenschalterdiagramm folgendes  Bild ).
Die Wellenschalterkontakte für beide Kreise sind wie die Spulen gegeneinander abzuschirmen, um unerwünschte Kopplungen (Pfeifneigung) zu unterbinden. Dies ist im Interesse einer guten Leistung und eines maximalen Abgleichs für Zweikreiser unbedingt notwendig.

Schaltbild eines Spulensatzes für Zweikreisempfänger


                 Spulenschaltbild eines Zweikreiser - Spulensatzes.


b) Anwendung


Spulensätze dieser Art kommen in älteren Standard-Zweikreisempfängern vor.


c) Fehler (Hierbei ist der Abstimmdrehkondensator mit einbezogen.)


Drahtunterbrechungen einer Spule, besonders an den Enden,

Windungsschluß einer Spule,

Trimmerschluß,

verdrehte (gelockerte) HF-Eisenkerne,

verzogener Zweifach-Abstimmdrehkondensator mit Plattenschluß,

verschmutzte Rotorfedern und Lagerstellen des Abstimmdrehkondensators
(dadurch Pfeifneigungen).


d) Prüfung


In der Reparaturpraxis kommen Zweikreiser mit den verschiedensten Schaltungen vor, die von dem hier gezeigten Spulenschaltbild abweichen. Bei etwaigen Unklarheiten ist deshalb immer das Fabrikschaltungsschema einzusehen, damit unnötige Arbeit bei der Fehlersuche vermieden wird.
Die Spulen sind mit einem Leitungsprüfer auf Durchgang und die Wellenschalterkontakte auf gute Kontaktgabe zu untersuchen. Die Trimmer  und Abstimmdrehkondensatoren sind mittels Glimmlampe und Gleichspannung auf Isolationszustand und Plattenschluß zu prüfen. Zu diesem Zweck sind beide von den Spulen zu trennen (abzulöten).


e) Fehlerbehebung


Defekte Spulen sind neu zu wickeln oder gegen neue auszutauschen. Wichtig ist, daß die Windungszahlen der beiden Gitterkreisspulen übereinstimmen, da sonstein einwandfreier Abgleich nicht möglich ist. Defekte Trimmer, die sich nicht reparieren lassen, tausche man gegen neue aus. Verschmutzte Lagerstellen und Rotorfedern des Abstimmdrehkondensators sowie verschmutzte Wellenschalterkontakte sind mit Wellenschalteröl "d" zu reinigen und anschließend zu justieren. Einen Abstimmdrehkondensator mit verzogenen Plattenpaketen wechsle man am besten gegen einen neuen, einwandfreien aus.
Der Abgleich hat in der Reihenfolge "Mittel" -"Lang" zu erfolgen. Zu diesem Zweck haben die Kreisspulen für beide Wellenbereiche je einen HF-Gewindeeisenkern, einen für den Mittelwellenabgleich und einen für den Langwellenabgleich, die von oben bzw. unten auf die dazu bestimmten Frequenzen (Abgleichpunkte der
Skala) abzugleichen sind. Zum Abgleich gehören noch die Trimmer T 1 und T 2' die nur für den Mittelwellenbereich vorgesehen und abzugleichen sind.

Der Abgleich der Zweikreisers ist oft mit Schwierigkeiten verbunden, besonders dann, wenn die Platten des Zweifach-Abstimmdrehkondensators verzogen sind.
Höchstleistung über den gesamten Wellenbereich (die gesamte Skala) ist nur möglich, wenn der Zweifach-Abstimmdrehkondensator einwandfreien Gleichlauf hat.


Wird fortgesetzt

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